Fachartikel: Rechenzentren – vorausschauende Überwachung als Erfolgsfaktor

September 2025

Die Anforderungen an Rechenzentren steigen permanent – sowohl von der Netzbelastung her als auch hinsichtlich der Versorgungssicherheit. Schon kleine Unterbrechungen oder Qualitätsmängel können wirtschaftliche Schäden verursachen. Präzise Messverfahren sind der beste Schutz für Rechenzentren.

Im Interview erläutern Lutz Beyer und Jens Schübel von PQ Plus, weshalb präzise und kontinuierliche Messverfahren der beste Schutz für Rechenzentren und Industrie sind – und warum die Netzqualität zur unternehmerischen Überlebensfrage wird.

Herr Beyer, Sie gelten mit PQ Plus als Vorreiter bei der Netzqualitätsmessung. Was unterscheidet Ihr Unternehmen von klassischen Anbietern?

Lutz Beyer: Unser Ansatz war von Beginn an darauf ausgerichtet, mit flexiblen, anwenderfreundlichen und dennoch hochpräzisen Messgeräten kritische Infrastrukturen wie Rechenzentren oder Krankenhäuser zu unterstützen. Während andere Anbieter früher nur sehr teure Anlagen verkauft haben, die oft lediglich Momentaufnahmen lieferten und deren Daten den Kunden wenig nutzten, haben wir mit innovativen Firmware-Lösungen eine neue Richtung eingeschlagen.

Unsere Systeme sind so entwickelt, dass Power Quality-Messungen zum Standard und erschwinglich wurden. Ein besonderer Meilenstein war die Einführung unseres 333 mV-Signals – es hat sich inzwischen zum Industriestandard etabliert und wird mittlerweile sogar von früheren Platzhirschen kopiert. Ein PQ Plus Klasse-S-Gerät kostet heute zwischen 600 und 700 Euro, was früher für viele Projekte schlicht unbezahlbar war. Und auch unsere Klasse-A-Messgeräte bieten mit etwa 2.000 Euro ein ausgezeichnetes Preis-Leistungs-Verhältnis, bei gleichzeitig höchster Messgenauigkeit.

Steigende Herausforderungen an moderne Rechenzentren

Wie gelingt Ihnen als vergleichsweise schlankes Unternehmen die Entwicklung und Produktion solcher Systemlösungen in großen Stückzahlen?

Lutz Beyer: Die Antwort liegt in unserer agilen Firmenkultur und in starken Partnerschaften. Mit unserer hochspezialisierten Produktionsfirma in Tschechien – einem sogenannten EMS, also einem Electronic Manufacturing Service – sind wir extrem flexibel, was Planung, Anpassung und Herstellung angeht.

Wir produzieren jährlich rund 100.000 Messgeräte und können schnell auf Marktentwicklungen oder Kundenwünsche reagieren, weil die Produktion eng mit unserer Entwicklung verzahnt ist. Diese Flexibilität ist ein großer Vorteil gegenüber den manchmal trägen Strukturen von Konzernen. Gleichzeitig ist unsere Entwicklung immer am Puls der Praxis, weil wir sehr eng mit Endanwendern und Installateuren zusammenarbeiten.

Welche Herausforderungen sehen Sie heute speziell bei modernen Rechenzentren in Sachen Verfügbarkeit und Ausfallsicherheit?

Lutz Beyer: Die Anforderungen an Rechenzentren steigen permanent – sowohl von der Netzbelastung her als auch hinsichtlich der Versorgungssicherheit. Schon kleinste Unterbrechungen oder Qualitätsmängel können massive wirtschaftliche Schäden verursachen. Die IT-Lasten schwanken zudem durch Virtualisierung oder dynamische Zunahme von KI-Anwendungen extrem und sind sehr komplex. Entscheidend ist, die Qualität und Kontinuität der Stromversorgung auf höchstem Niveau zu halten, gerade weil Fehler nicht nur in der eigenen Infrastruktur, sondern auch durch Rückwirkungen von außen entstehen können. Wir helfen Betreibern, dieses Gleichgewicht zu bewahren: Mit unseren präzisen Messgeräten können Spannungseinbrüche, Oberschwingungen, Ableitströme und andere Störfaktoren sofort erkannt und dokumentiert werden.

Welche Bedeutung besitzt die kontinuierliche Überwachung der Netzqualität in der Praxis?

Lutz Beyer: Sie ist unerlässlich – besonders in kritischen Infrastrukturen, wo jede Störung fatale Auswirkungen haben kann. Kontinuierliches Power Quality Monitoring erlaubt es, problematische Veränderungen schon im Ansatz zu erkennen. Zum Beispiel führen moderne Leistungselektroniken zu neuen Arten von Rückwirkungen – etwa zu unerwünschten Ableitströmen, die Schäden verursachen können, an die man zunächst gar nicht denkt. Ich erinnere mich an einen Industriekunden mit mehreren tausend Mitarbeitenden: Nach kurzer Zeit waren alle Wasserversorgungsleitungen korrodiert, weil diffundierende Ströme aus der in der Anlage eingesetzten Leistungselektronik mithalfen, die Leitungen zu schädigen. Unsere Systeme haben schnell den Grund gefunden und so geholfen, erhebliche Kosten und Folgeschäden zu vermeiden.

Störungen in Rechenzentren verhindern

Herr Schübel, wie erfassen die Messsysteme von PQ Plus diese Störungen und welche Analysen sind damit möglich?

Jens Schübel: Unsere Messsysteme bieten eine hohe Auflösung: Wir messen Strom-, Spannungs-, Leistungs- und Frequenzdaten mit bis zu 57,6 Kilohertz. Außerdem erfassen wir Oberschwingungen weit über die üblichen Standards hinaus, oft entscheidend bei der Analyse von komplexen Störungen. Alle Messdaten werden für mindestens ein Jahr im Gerät gespeichert. Über unsere spezielle und kostenfreie Software ermöglichen wir gezielte Auswertungen.

Hierbei prüfen wir die Einhaltung von Normen, können aber auch sehr detailliert den Verlauf von Anomalien nachzeichnen und Korrelationen beispielsweise mit Lastwechseln, Schaltzuständen oder bestimmten Ereignissen untersuchen. Die Möglichkeit, lückenlos auf historische Daten zuzugreifen, ist für viele Betreiber ein entscheidender Vorteil – sie können so nicht nur akute Probleme lösen, sondern auch längerfristig die Entwicklung ihrer Infrastruktur gezielt analysieren und optimieren.

Eine Besonderheit von PQ Plus ist die Differenzstrommessung. Was ist das und warum spielt sie gerade in Rechenzentren eine so zentrale Rolle?

Jens Schübel: Differenzstrommessung bedeutet, dass wir permanent überwachen, ob Ströme irgendwo im elektrischen System unerlaubt „verloren gehen“ – also typische Leckströme, die auf Isolationsfehler, Verschleiß oder Defekte hindeuten können. In Rechenzentren ist die Infrastruktur sehr komplex und verwinkelt. Gerade dort ist es essenziell, schon kleinste Veränderungen frühzeitig zu erkennen. Wenn sich beispielsweise der Differenzstrom an einer Leitung langsam erhöht, kann das ein Zeichen für einen schleichenden Isolationsschaden sein – ein Risiko, das bei rechtzeitiger Intervention meist einfach zu beheben ist und vor großem Schaden bewahrt.

Wie einfach können Ihre Systeme in bestehende Monitoring- und Gebäudemanagementsysteme eingebunden werden?

Jens Schübel: Die Integration ist so einfach wie möglich gestaltet, da wir mit allen gängigen Protokollen wie Modbus RTU, Modbus TCP, SNMP und MQTT arbeiten. Das bedeutet, unsere Messgeräte können direkt in bestehende Leitsysteme eingebunden werden – egal ob es sich um Neubauten oder Nachrüstungen handelt. Diese Offenheit war uns besonders wichtig, weil unsere Kunden so ihre gewohnte Infrastruktur weiter nutzen und mit unseren Systemen flexibel erweitern können.

Können Sie ein konkretes Praxisbeispiel nennen, das zeigt, wie der Einsatz Ihrer Systeme die Ausfallwahrscheinlichkeit reduziert hat?

Jens Schübel: Ein gutes Beispiel ist ein mittelgroßes Rechenzentrum, das wir ausgerüstet haben. Unsere Oberschwingungsanalyse deckte Unregelmäßigkeiten an den Ausgängen einer USV-Anlage auf. Ein genauerer Blick zeigte, dass eine Fehlfunktion an einer der Leistungsstufen die Ursache war – ein Problem, das im Rahmen der nächsten planmäßigen Wartung gelöst werden konnte, bevor ein echter Schaden entstand. Ohne diese permanente Überwachung und die Möglichkeit, solche Details in Echtzeit zu erkennen, hätte sich das Problem unbemerkt fortgesetzt und womöglich zu Ausfällen mit enormen Folgekosten geführt.

Technologietrends in der Messtechnik für Rechenzentren

Welche Weiterentwicklungen und Technologietrends sehen Sie im Bereich Mess- und Monitoringtechnik speziell für Rechenzentren in den kommenden Jahren?

Jens Schübel: Der Trend geht deutlich in Richtung KI-gestützter Analyseverfahren. Intelligente Algorithmen werden künftig nicht nur Anomalien noch schneller und zuverlässiger erkennen, sondern können eventuell schon selbstständig eingreifen – zum Beispiel Schwellwerte anpassen oder Hinweise zur Fehlerbehebung geben. Ein weiterer wachsender Bereich ist die Direktversorgung von Anlagen über Gleichstrom (DC), etwa durch den verstärkten Einsatz von Photovoltaik oder anderen erneuerbaren Energiequellen.

Gerade Unternehmen wie die Deutsche Telekom investieren heute stark in die direkte Nutzung von Gleichstrom, weil sie so Energieverluste vermeiden. Auch in diesem Bereich halten wir unsere Technik stets bereit: Unsere Geräte sind sowohl für AC als auch DC ausgelegt – und für die Cloudanbindung zur Datennutzung der nächsten Generation vorbereitet. Weiterhin beobachten wir, dass neue Kommunikationsprotokolle und Sensorintegration immer wichtiger werden. Diese Offenheit eröffnet uns und unseren Kunden die Möglichkeit zur kontinuierlichen Optimierung und den Zugang zu neuen Märkten.

Lutz Beyer: Ergänzend möchte ich sagen: Solche Innovationen sind für uns gelebte Praxis. Unsere Geräte sind so aufgebaut, dass sie ständig weiterentwickelt werden können – sei es für neue Netzformen oder komplexe Auswertungen. Mit unseren strategischen Partnerschaften sichern wir die Flexibilität, die es uns erlaubt, sehr schnell auf technologische Trends oder veränderte Marktanforderungen zu reagieren.

Warum lohnt sich gerade für Betreiber kritischer Infrastrukturen die Investition in moderne Mess- und Überwachungstechnik?

Lutz Beyer: Ein zuverlässiges Stromnetz ist das Rückgrat aller digitalen Prozesse. Gerade kritische Infrastrukturen wie Rechenzentren, Krankenhäuser oder Verkehrssteuerungen sind ohne ständige Qualitätskontrolle hochgradig verwundbar – oft unterschätzt man, wie sensibel selbst kleinste Fehler sich auswirken. Die Investition in kontinuierliche Überwachung und intelligente Auswertung reduziert Risiken und Kosten: Sie verhindert Ausfälle, senkt Wartungsaufwände und schafft die Grundlage dafür, mit Zukunftstechnologien wie KI und nachhaltigen Energien optimal zu arbeiten. Wer auf präzise Mess- und Monitoringtechnik setzt, investiert in Widerstandsfähigkeit, Skalierbarkeit und wirtschaftliche Sicherheit.

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